Wildnis am Fluss:
Auenlandschaften - hier ist's dem Biber wohl

Ursprüngliche Auen gehören zu den dynamischsten Lebensräumen überhaupt. Die Kraft frei fliessender Flüsse sorgt für einen steten Umbau der Landschaft. Die Frühlingshochwasser räumen Altarme aus, verlegen die Flussläufe neu, zerstören Auenwälder, reissen neue Steilwände an, tragen Kiesbänke ab und werfen anderswo neue auf. Das Resultat ist ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume mit gewundenen Wasserläufen, Altwässern, Tümpeln, Sumpfwiesen, Kiesflächen, Auenwäldern, Steilwänden, Grundwasseraufstössen sowie Schotter- und Kiesbänken. Das eng verzahnte Nebeneinander von Alt und Neu wird belebt durch eine sehr reichhaltige Flora und Fauna. Auf nur einem Viertel Prozent der Landesfläche leben 1500 Pflanzenarten: etwa die Hälfte der einheimischen Flora! Charakteristische Vertreter der Tierwelt sind Amphibien in mehreren Arten, Biber, Fischotter, Turteltaube, Grau-, Grün- und Kleinspecht, Feldschwirl, Sumpfrohrsänger, Gelbspötter, Fitis, Weidenmeise, Pirol.

Terrassensiedlung mit fliessendem Wasser
Aufgrund vom Einfluss des Wassers werden Auenlandschaften in drei Zonen unterteilt:

  • Das Flussbett wird häufig und tiefgreifend umgestaltet. Hier finden Kräuter ein Auskommen, welche frische Kiesbänke schnell besiedeln können. Unter den Gehölzen schaffen es nur die Weiden, hier Fuss zu fassen. Auf kahlen Kiesflächen brütet der Flussregenpfeifer und geht der Sandlaufkäfer auf die Jagd; in Steilwänden graben Eisvogel und Uferschwalbe ihre Brutröhren
    - letztere in der Schweiz jedoch nur noch in Kiesgruben!

  • Auf höher gelegenen Terrassen siedeln busch- und baumförmige Weiden, Grau- und Schwarzerle, Schwarzpappel u.a. Die Standortbedingungen sind stabil genug für die so genannte Weichholzaue. Diese weichen und leichten Gehölze ertragen auch länger dauernde Überschwemmungen. Das ist der Lebensraum von Schillerfalter, Pirol, Fitis und Turteltaube.

  • Ahorn, Esche und Ulme, aber auch Buche, Stieleiche, Traubenkirsche und Fichte bilden die Hartholzaue. Diese Zone liegt noch höher und wird nur noch selten überschwemmt, ist aber immer noch im Einflussbereich des Grundwassers. Hier leben Spechte und andere typische Waldbewohner.

Ursprüngliche, wilde Auen sind dem Biber zu wild. Er versteht es aber wie keine andere Tierart, den eigenen Lebensraum nach seinen Ansprüchen zu gestalten. Mit Dämmen bändigt Landschaftsarchitekt Biber die Fliessgewässer, ermöglicht eine ausgeglichene Abgabe des Wassers in den Flusslauf, verringert damit die Hochwasser und erweitert schliesslich den Lebensraum Fluss um diverse Stillgewässer.