Biberfamilie:
Raus aus dem Hotel Mama

Frühling ist's. In der Biberfamilie herrscht Aufregung. Mama und Papa Biber kümmern sich um den Nachwuchs. Zeit für die älteren Jungbiber, sich davon zu machen.

Der Biberbau liegt über dem Wasserspiegel und hat rund einen Meter Durchmesser. Hier schläft übers Jahr die ganze Familie oder verbringt Stunden mit der Körperpflege. Eine Familienidylle. Doch im Mai kommt Unruhe ins Haus. Die Bibermutter erhält Nachwuchs. Das erfordert ihre ganze Konzentration. Verständnisvoll zieht der Bibervater mit den älteren Kindern in einen Nebenbau. Allerdings nur für kurze Zeit, denn bei den Bibern hilft der Bibervater bei der Säuglingspflege mit, und fürs Babysitten kommen auch die älteren Geschwister zum Einsatz.

Die Biberbabys kommen mit offenen Augen, behaart und mit kleinen Nagezähnen zur Welt. Zwei Monate lang werden sie gesäugt. Sie bleiben während den ersten Wochen im Bau und schwimmen bereits im unterirdischen See herum. Tauchen können sie allerdings noch nicht.

Biberfamilie mit 2 Generationen Jungen im Bau

Auf eigenen Pfoten stehen
Nach ungefähr zwei Wochen verlassen Biberkinder erstmals den Bau. Jetzt müssen sie von den Eltern vieles lernen. Pflanzenkunde, Holzbearbeitung mit den Nagezähnen, Orientierung im Wasser, Gewässerkunde, Revierverteidigung und den Bau von Biberburgen und Damm für den Fall der Fälle. Es könnte ja geschehen, dass die Erdhöhlen, wie Biber in der Schweiz sie hauptsächlich bauen, nicht mehr ausreichen und der unterirdische Wohnbau mit Ästen erweitert werden muss. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Dann sind sie Biberkinder erwachsen und geschlechtsreif. Jetzt heisst es auf eigenen Pfoten stehen.

Verlassen die zweijährigen Biber das elterliche Revier nicht freiwillig, werden sie unsanft weggejagt. Das hat seinen Sinn, denn so wird ein Revier nicht überbesiedelt. Bibervater und Bibermutter hingegen bleiben ein Leben lang zusammen und leben normalerweise immer in demselben Revier. Im Winter paaren sie sich schwimmend im Wasser und im Frühling...

Halt, das ist mein Revier!
Jede Biberfamilie beansprucht rund um ihren Bau ein Gebiet, das sie vehement gegen fremde Biber verteidigt. Diese Fläche nennt man «Revier». Mit dem so genannten «Bibergeil» oder «Castoreum», welches in den Afterdrüsen produziert wird, markiert der Biber sein Gebiet und zeigt so jedem fremden Biber an, wer der Hausherr ist. Falls sich ein Fremdling trotzdem in das Revier hineinwagt, wird er von den Besitzern sofort verjagt. Nicht selten kommt es dabei zu Bisswunden, die sogar einen tödlichen Ausgang nehmen können, wenn sich die Wunde infisziert.

Je nach Nahrungsangebot sind die Reviere unterschiedlich gross. Bei einem hohen Bestand an Weichhölzern kann sich ein Revier über eine Uferstrecke von 700 Metern Länge hinziehen, normalerweise umfasst es aber mehr als einen Kilometer. Bei schlechten Nahrungsbedingungen kann ein Revier aber auch bis zu drei Kilometern lang sein.

Gut zu wissen

Biberheimat
Das Revier einer Biberfamilie umfasst zwischen mehreren Hundert Metern bis zu drei Kilometern Flusslänge - je mehr Nahrung (Weiden) desto kürzer.

Wanderlust
Auf der Suche nach einer neuen Heimat können junge Biber über 100 Kilometer weit wandern - oder besser: schwimmen.

Keine Landeier
Wasser ist ihr Element - Biber bleiben immer in seiner Nähe: Der nächste Fluss oder Bach ist meist weniger als 20 m entfernt (Flucht bei Störungen).

Auf Tauchstation
Taucht einmal Gefahr auf, können Biber über 15 Minuten unter Wasser bleiben. «Normale» Tauchgänge dauern aber nur wenige Minuten.