Heute Viagra - damals Pflaster aus Bibergeil

Auch die beiden birnenförmigen Duftdrüsen am Hinterkörper beider Geschlechter weckten menschliche Begehrlichkeiten. Das ölige, weiche, bräunliche, eigentümlich riechende und schmeckende Sekret, Bibergeil oder Castoreum genannt, fand im Mittelalter vielfache medizinische Verwendung. Lonicerus nennt in seinem 1679 publizierten «Kreuterbuch» Anwendungsvorschriften gegen nahezu alle menschlichen Gebrechen. Noch im 19. Jahrhundert zahlte man für das Paar Duftdrüsen umgerechnet 720 Mark. Die vom Bibergeil ausgehende Heilwirkung erklärt man sich heute mit dem hohen Gehalt an Salicylsäure, einem Inhaltsstoff der Weidenrinde. Heute hat das Castoreum in der Homöopathie noch eine gewisse Bedeutung. Apropos Salicylsäure: Wir schlucken diese Substanz in zum Teil grossen Mengen als «Aspirin» oder «Alcacyl».

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Zur Abgrenzung seines Territoriums gegen Artgenossen, die nicht zu seiner Familie gehören, setzt der Biber Duftmarken. Dazu scharrt er Sand, Schlamm oder Vegetationsreste zu einem Häufchen zusammen und setzt darauf das während Stunden stark würzig riechende Castoreum (Bibergeil) ab. Diese Markierstellen befinden sich immer nahe am Wasser. Auf Schnee abgesetzt, verfärbt es diesen auffallend orange.

Häufchen mit Duftmarke

Duftmarke auf Schnee