Lieblingsmenü des Bibers:
Weidenrinde

Biber haben eine eindeutige Vorliebe für Weichholzarten, unter denen Weiden als absolute Favoriten rangieren. Weiden haben zusätzlich den Vorteil, dass sie rasch Stockausschläge bilden, die später wieder genutzt werden können. Zweite Wahl, aber immer noch sehr gerne, werden Espen, Pappeln, Schwarzerle und Traubenkirsche genommen. An unseren Gewässern sind Weiden und andere Weichhölzer oft Mangelware: wo früher Auenwälder das Landschaftsbild prägten, findet man heute oft Kulturland bis fast zur Wasserfläche. Deshalb müssen die Biber vermehrt auf andere Baumarten wie Haselstrauch, Stieleiche oder Eschen ausweichen. Gelegentlich werden auch Nadelhölzer benagt. Dabei scheint ihnen das austretende Harz nichts auszumachen. Ab und zu bedienen sie sich auch in Baumschulen oder vergreifen sich an nahe am Ufer stehenden Obstbäumen. Selbst Rebstöcke werden von Bibern nicht verschont.

Drei bis vier Kilo pro Tag
Der tägliche Nahrungsbedarf macht rund einen Fünftel seines Körpergewichtes aus. Das heisst etwa vier bis fünf Kilo Blätter und Rinde pro Biber. Bäume werden zwar das ganze Jahr hindurch gefällt, jedoch ist die Fällaktivität im Herbst und Winter deutlich grösser. Im Sommer und Frühherbst tun sich die Biber auch an einer reichen Krautvegetation gütlich. Gern gefressen werden Mädesüss, Wiesenbärenklau, Kanadische Goldrute, Weisser Honigklee, Ampfer-Knöterich, Löwenzahn und sogar Brennnesseln. Besonders schätzt der Biber auch die stärkehaltigen Knollen und Wurzelstöcke von Schwertlilie, Rohrkolben sowie See- und Teichrose. Da die landwirtschaftlichen Kulturen heutzutage oft bis nahe ans Ufer von Gewässern bebaut werden, spielen ab und zu auch angebaute Feldfrüchte wie Zuckerrübe oder Mais eine wichtige Rolle auf dem Speiseplan. Weil sich die Biber aber nur in den Randzonen der Felder bedienen, ist der Schaden solch kleiner Diebereien meist unbedeutend.

Nährstoffe dank Mikroorganismen
Rinde, von der sich der Biber in erster Linie ernährt, ist nicht besonders nahrhaft. Sie enthält vorwiegend Schutzstoffe, die den Baum vor dem Verzehr schützen sollen. In der Weidenrinde steckt beispielsweise die Salicylsäure, die wir zum Konservieren von Lebensmitteln oder als Schmerzmittel gegen Kopfweh benutzen. Wie löst der Biber dieses Problem? Die eigentliche Leistung vollbringt hierbei nicht der Biber selbst, sondern die Mikroorganismen, die in seinen riesigen Blinddärmen leben. Erst durch seine kleinen Helfer kann der Biber aus der Rinde Nährstoffe gewinnen und die Schutzstoffe der Pflanzen unschädlich machen. Diese kleinsten Darmbewohner sind aber nicht sehr flexibel. Sie sind nur auf wenige Arten von Rindennahrung spezialisiert und können sich nicht so schnell auf neue Schutzstoffe einstellen. So kann der Biber nicht einfach heute Weidenrinde, morgen Traubeneichen-, dann Erlen- oder Eichenrinde verwerten. Deshalb beschränkt sich der Biber in der Regel auf die wenigen Baumarten, mit denen er bereits aufgewachsen ist.

Jungbiber:
Probleme mit dem Fressen
Jungbiber haben mit der Umstellung von der sehr nährstoffreichen Muttermilch auf die spartanische Baumrinde oft grosse Probleme. Entweder entwickeln sich ihre kleinen Helfer zu langsam, oder sie haben Schwierigkeiten mit der Verdauung der Schutzstoffe. Während dieser Umstellungsperiode gibt es viele Todesfälle, weil die Jungtiere die Umstellung nicht schaffen und verhungern.

Kluger Rat, Notvorrat
Da der Biber keinen Winterschlaf hält, legt er an Seen und Fliessgewässern, die im Winter über längere Zeit zufrieren können, Wintervorräte an. Vor dem Baueingang werden im Wasser ähnlich einem Reisighaufen Äste gestapelt. Im Winter können die Tiere dann bequem unter der Eisdecke zu ihrem Vorrat schwimmen und die Äste in den Bau schleppen, ohne dass sie dabei an die kalte Luft gehen müssen.