Bald 1000 Biber in der Schweiz?

Die Zahl der Biber wird heute auf rund 700 bis 900 geschätzt. In der West- und Nordostschweiz sind sie wieder zahlreich, doch eine grosse Lücke klafft in der Ecke der Nordwestschweiz. HALLO BIBER! ist daran, sie zu schliessen.

Biberbrugg, Bibermühle, Bibern... Auch in der Schweiz weisen viele Orts- oder Flussnamen ebenso wie Knochenfunde und historische Dokumente auf die grosse Verbreitung der Biber hin. Allerdings stammen die Namen aus der Zeit vor 1805, denn damals wurde der letzte Biber in der Birs bei Basel getötet und damit auch gesamtschweizerisch ausgerottet. Auch weltweit stand die Art kurz vor der Ausrottung. Der Grund war damals nicht die mangelnde Qualität des Lebensraumes sondern einzig und allein die Bejagung durch den Menschen. Das Biberfleisch war früher sehr begehrt, zudem liess die Kirche die Speise während der Fastenzeit als „fischähnlich“ durchgehen – denn er ist ja viel im Wasser und sein Schwanz ist beschuppt.

Wieder zurück – trotz vielen Misserfolgen
1959 wurde an der Versoix in Genf der erste Biberbau auf Schweizerboden entdeckt – nach mehreren Versuchen der Wiedereinbürgerung. Zu verdanken ist diese Pionierarbeit dem Genfer Maurice Blanchet. Obwohl sich die Biber nur sehr zögernd verbreiteten, leben heute immerhin rund 50 Tiere in der Versoix, weitere 20 bis 30 an der Arve und an der Rhone.

Diesem ersten Wiederansiedlungsprojekt folgten andere in verschiedenen Regionen der Schweiz. Leider nutzten viele die Erfahrungen des Pionierprojektes an der Versoix nicht. So verschwanden von den 140 Tieren, welche zwischen 1957 und 1977 ausgesetzt wurden, viele spurlos. An rund 30 Orten versuchte man, den Biber anzusiedeln, nur gerade an 10 Orten hat es geklappt.

Heute wieder in Biberist, Biberbrugg und Bibrelèque
Trotz all den Mühen hat sich der Biber durchgebissen. Heute leben schätzungsweise 700 bis 900 Biber in der Schweiz. Sie sind hauptsächlich in der Nordostschweiz und in der Westschweiz zu finden, dazwischen liegt das grosse Loch Nordwestschweiz, welches sich heute u.a. durch die Aktivitäten von HALLO BIBER! verkleinert!

Heute werden keine Biber mehr ausgesetzt. Es werden Barrieren aus dem Wege geräumt und der Lebensraum wird bibertauglich gemacht. So können Jungbiber, welche ihre Familien verlassen, einen neuen Lebensraum finden.

Die Flughafenbiber
«Agglomerationsbiber» nennt sie Christian Speich in einem Weltwoche-Artikel, die Biber vom Flughafen Kloten. Plötzlich waren sie da. Sie richteten sich ein, bauten und stauten sogar. Zwischen Pistengelände, Waffenplatz und allerlei Strassen, mitten im Naherholungsgebiet. Kein Mensch hätte sie hier erwartet. Doch den Bibern scheint's zu gefallen, Fluglärm hin, Hunde her. Biber sehen die Welt eben anders. Was in unseren Augen ein hässlich kanalisiertes Gewässer ist, kommt ihnen gerade recht, weil vielleicht hier gut gegraben werden kann und ausreichend Nahrung vorhanden ist. Was wir für einen bildschönen Wildfluss halten, ist für Biber ungeeignet, weil zum Beispiel die Uferstruktur nicht passt oder aus Gründen, die uns nicht bekannt sind.

Gut zu wissen

Gewässer-, Orts- und Flurnamen
Es gibt in der Schweiz über 20 Gewässer-, Orts- und Flurnamen mit der Bezeichnung „Biber“. So ist im Kanton Solothurn Biberist an der Emme gelegen, Bibern selbst liegt am Biberenbach. Im Kanton Schaffhausen finden wir Bibermühle und Bibern. Das Gemeindewappen von Biberstein (Kt. AG) zeigt einen Rinden knabbernden Biber. Schliesslich liegt am Flüsschen Biberen das gleichnamige Berner Dorf. In der Romandie finden wir einzig und allein den Ort Bibrelèque/Biberegg (VD).

Biber weit verbreitet
Bis ins 16 Jh. war der Biber in der Schweiz noch ein allgemein verbreitetes Tier. So schreibt Gessner 1551 in seinem Thierbuch (Historia Animalium): "Wie wol in allen landen dis ein gemein thier, so sind sy doch am liebsten wo grosse Wasserflüssz rünnen. Die Ar, Reussz, Lymmat im Schweyzerland, auch die Byrs umb Basel hat dern viel".

Die Letzten
Der Biber wurde in der Schweiz vor ca. 200 Jahren ausgerottet. Das letzte Tier wurde ausgerechnet am Unterlauf der Birs erlegt.

Die Ersten
1958 wurden im Raum Genf erstmals wieder Biber in der Schweiz ausgesetzt. Sie stammten aus Südfrankreich (Rhone). Bis 1977 fanden so insgesamt 141 Tiere an verschiedenen Orten der Schweiz eine neue Heimat.

Biber in aller Munde
Mmmhh, Biberli: Was hat wohl das beliebte „Echte Appenzeller Bärli-Biber, gefüllt“ mit den Bibern zu tun? Nichts! In der Bärli-Biber-Bäckerei in Weissbad-Appenzell teilte man mit, der Name sei von der Bibernelle ableitet und in diese Gattung gehöre die Biberli-Zutat Anis...