Nach 200 Jahren wieder zurück:
Erste Biber im Baselbiet

Biber Nagespuren an einer frisch gefällten Weide am Unterlauf der Ergolz bei Augst
Auf der Suche nach Biberspuren sind die Leute von HALLO BIBER!, einer 10-Jahresaktion von Pro Natura Baselland, erstmals auf Baselbieter Boden fündig geworden. Bei Augst melden sich die Nager 200 Jahre nach ihrer Ausrottung zurück.

Jetzt sind sie auch ins Baselbiet zurückgekehrt: 200 Jahre nachdem der letzte Schweizer Biber an der Birs geschossen wurde, hinterlassen die sympathischen Nager erstmals wieder im Kanton Baselland ihre Spuren. Eine junge, frisch gefällte Weide am Ergolzufer bei Augst weist unverkennbare Nagespuren auf.

Ein Meilenstein auf dem Weg zum Biberland
«Kein Zweifel: Hier war ein Biber am Werk!», freut sich Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsführer von HALLO BIBER!. Diese Aktion von Pro Natura Baselland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 den Bibern die Rückkehr in die Region Basel zu ermöglichen. Bei der Suche nach Biberspuren entlang dem Unterlauf der Ergolz sind HALLO BIBER!-Leute nun auf diesen sensationellen Fund gestossen. «Ein Meilenstein auf dem Weg zum Biberland in der Region Basel ist damit erreicht», gibt sich Urs Leugger-Eggimann zuversichtlich.

Völlig überraschend kam dieser erfreuliche Fund allerdings nicht. Zur Zeit breiten sich die grossen Nager von Osten her den Aargauer Hochrhein hinab in Richtung Basel aus. Eine Biberfamilie fühlt sich seit kurzem auf der deutschen Rheinseite im Naturschutzgebiet «Altrhein Wyhlen» wohl. Dass diese bald mal über den Zaun respektive die Grenze fressen würden, war zu erwarten. Nun hofft Urs Leugger, dass sich bald auch ein erstes Biberpaar dauernd im Baselbiet nieder lässt. Der Unterlauf der Ergolz wäre als Revier geeignet; und jetzt ist die Saison, in der junge Biber ihre Familien verlassen und sich auf den Weg nach einer neuen Heimat machen müssen.

Doch Rhein abwärts wird’s schwierig mit der Fortsetzung der Wanderung. Flusskraftwerke stellen sich den Bibern in den Weg, und der Baselbieter und der Basler Abschnitt des Rheins sowie lange Strecken der Ergolz und der Birs sind nicht eben biberfreundlich: mit grossen Steinblöcken verbaut oder in ein Betonkorsett gezwängt. Hier setzt HALLO BIBER! den Hebel an. Biberbarrieren wie Flusskraftwerke werden entlang von Rhein, Ergolz, Birs und Lützel geöffnet und natürlichere Flüsse geschaffen. Damit sich die Biber zukünftig nach beschwerlicher, langer Reise in der Region Basel wieder wohl fühlen können.

Biberland in der Region Basel: ein ehrgeiziges Ziel, aber dank der guten Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern wie Kantons- und Gemeindebehörden und Fischerei- und Naturschutzorganisationen können wir es erreichen. Die ersten Biberspuren im Baselbiet – 200 Jahre nachdem dieses Tier von der Schweizer Landkarte verschwunden ist – zeigen, dass HALLO BIBER! voll auf Kurs ist und stimmen zuversichtlich. Willkommen in der alten Heimat!

Gut zu wissen

Heute
Heute leben in der Schweiz wieder 400 bis 500 Biber. Ihr Überleben in der Schweiz ist (noch) nicht gesichert, da sie heute in kleinen, voneinander isolierten Gruppen leben. Längerfristiges Überleben bedingt einen zusammenhängenden Bestand in der Schweiz, was nur in einem Netz natürlicher Flüsse ohne Ausbreitungsbarrieren möglich ist.

Die Letzten
Die Biber wurden in der Schweiz vor 200 Jahren ausgerottet, vor allem wegen ihres wertvollen Pelzes. Daneben galt das sogenannte Bibergeil als Wundermedizin gegen ziemlich alle Krankheiten. Nicht selten landeten Biber auch im Teller, denn der Schwanz galt als Delikatesse und als «fischähnliche Tiere» (Biber haben einen flachen, beschuppten Schwanz und leben im und am Wasser) durften Biber im Mittelalter auch zur Fastenzeit gegessen werden – mit offiziellem Segen der Kirche. Der letzte Biber wurde ausgerechnet am Unterlauf der Birs erlegt.

Die Ersten
1958 wurden im Raum Genf erstmals wieder Biber in der Schweiz ausgesetzt. Sie stammten aus Südfrankreich (Rhone). Bis 1977 fanden so insgesamt 141 Tiere an verschiedenen Orten der Schweiz eine neue Heimat. Sie sind der Ursprung der heute in der Schweiz lebenden Biber. Heutzutage werden keine Biber mehr ausgesetzt. Sie sollen sich natürlich verbreiten.

Biberheimat
Das Revier einer Biberfamilie umfasst zwischen mehreren Hundert Metern bis zu drei Kilometern Flusslänge – je mehr Nahrung (Weiden) desto kürzer.

Wanderlust
Sind Biber zwei Jahre alt, müssen sie ihre Familien verlassen. Auf der Suche nach einer neuen Heimat können junge Biber über 100 Kilometer weit wandern – oder besser: schwimmen. Solche Jungbiber besiedeln aktuell von Osten her langsam den Hochrhein Richtung Basel.

Mediencommuniqués

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