Biber vor den Toren Liestals

Von HALLO BIBER! entdeckte Spuren zeigen: Die Biber sind vor den Toren Liestals angekommen.

Mehrere Frassplätze mit frisch von Bibern benagten Ästen lassen keinen Zweifel: Die sympathischen Nager sind dabei, entlang der Ergolz zur Kantonshauptstadt vorzudringen. Bereits haben sie den Hülftenfall überwunden. Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsführer der Pro Natura-Aktion HALLO BIBER!, ist oberhalb des Wasserfalls auf ihre Spuren gestossen. 200 Jahre nachdem der Biber von der Schweizer Landkarte verschwunden ist, rückt die Vision vom Biberland in der Region Basel in greifbare Nähe. Die 10-Jahresaktion HALLO BIBER! ist auf Kurs.

Ein grosses Hindernis ist überwunden
«Mit dem Hülftenfall haben die Biber ein grosses Hindernis auf dem Weg zurück in ihre alte Heimat überwunden», freut sich Urs Leugger-Eggimann. Dieser mehrere Meter hohe Wasserfall muss auf dem Landweg umwandert werden. Dies ist kein leichtes Unterfangen für Biber, die zwar elegante Schwimmer und perfekte Taucher sind, sich an Land aber vergleichsweise tollpatschig bewegen. Bis zum rettenden Oberwasser müssen sie eine bewaldete und steile Böschung erklettern und etwa hundert Meter über Land gehen. Dieses Wagnis gehen Biber meistens nur ein, wenn sie auf der Suche nach einem neuen Revier sind. Sonst entfernen sie sich nur wenige Meter vom schützenden Wasser.

Die Ergolz weiter renaturieren
Gerade rechtzeitig haben die Wasserbauer vom Kanton Basel-Landschaft in diesem Winter die Ergolz bei Füllinsdorf auf einer Länge von ca. 200 m natürlicher gestaltet – nicht weit von den Biberspuren entfernt. Neuer Biberlebensraum wird entstehen, und bald werden auch Weiden spriessen. Die Nager wird’s freuen. Nach den erfreulichen Revitalisierungen an der Birs ist damit auch an der Ergolz ein weiterer Schritt zu natürlicheren, biberfreundlicheren Gewässern gemacht.

Damit sind aber noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Die Ergolz weist in ihrem Unterlauf noch verschiedene Abschnitte auf, die weit weg von einem natürlichen Zustand sind. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern wie Kantons- und Gemeindebehörden und Fischerei- und Naturschutzorganisationen ist HALLO BIBER! daran, dies zu ändern. Damit sich Biber, Eisvogel, Forelle & Co. zukünftig an der Ergolz wieder so richtig wohl fühlen können.

Gut zu wissen

Heute
Heute leben in der Schweiz wieder 400 bis 500 Biber. Ihr Überleben in der Schweiz ist (noch) nicht gesichert, da sie heute in kleinen, voneinander isolierten Gruppen leben. Längerfristiges Überleben bedingt einen zusammenhängenden Bestand in der Schweiz, was nur in einem Netz natürlicher Flüsse ohne Ausbreitungsbarrieren möglich ist.

Die Letzten
Die Biber wurden in der Schweiz vor 200 Jahren ausgerottet, vor allem wegen ihres wertvollen Pelzes. Daneben galt das sogenannte Bibergeil als Wundermedizin gegen ziemlich alle Krankheiten. Nicht selten landeten Biber auch im Teller, denn der Schwanz galt als Delikatesse und als «fischähnliche Tiere» (Biber haben einen flachen, beschuppten Schwanz und leben im und am Wasser) durften Biber im Mittelalter auch zur Fastenzeit gegessen werden – mit offiziellem Segen der Kirche. Der letzte Biber wurde ausgerechnet am Unterlauf der Birs erlegt.

Die Ersten
1958 wurden im Raum Genf erstmals wieder Biber in der Schweiz ausgesetzt. Sie stammten aus Südfrankreich (Rhone). Bis 1977 fanden so insgesamt 141 Tiere an verschiedenen Orten der Schweiz eine neue Heimat. Sie sind der Ursprung der heute in der Schweiz lebenden Biber. Heutzutage werden keine Biber mehr ausgesetzt. Sie sollen sich natürlich verbreiten.

Biberheimat
Das Revier einer Biberfamilie umfasst zwischen mehreren Hundert Metern bis zu drei Kilometern Flusslänge – je mehr Nahrung (Weiden) desto kürzer.

Wanderlust
Sind Biber zwei Jahre alt, müssen sie ihre Familien verlassen. Auf der Suche nach einer neuen Heimat können junge Biber über 100 Kilometer weit wandern – oder besser: schwimmen. Solche Jungbiber besiedeln aktuell von Osten her langsam den Hochrhein Richtung Basel.

Mediencommuniqués

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